Automatisierung · Ratgeber

Welche Prozesse sich zuerst automatisieren lassen

Ihr Ansprechpartner: Kürsat Ünal

Prozesse zu automatisieren lohnt sich als nächster Prüfschritt dort, wo eine Aufgabe regelmäßig wiederkehrt, klare Regeln besitzt und ihr Ergebnis kontrolliert werden kann. Die größte oder sichtbarste Aufgabe ist deshalb nicht automatisch der beste Anfang. Oft lässt sich mit einer sauberen Übergabe zwischen zwei vorhandenen Systemen mehr erreichen als mit einer vollständig neuen Plattform.

Dieser Ratgeber hilft Unternehmen jeder Größe, einen ersten Ablauf einzugrenzen. Es geht um Büro- und Dienstleistungsprozesse wie Anfragebearbeitung, Aufgabenübergabe oder Dokumentfreigabe, nicht um eine pauschale Empfehlung zur Automatisierung sensibler Entscheidungen.

Welche Prozesse eignen sich für den Einstieg?

Beobachten Sie zunächst, wo Menschen Informationen abschreiben, weiterleiten oder auf Vollständigkeit prüfen. Notieren Sie Auslöser, Eingaben, Arbeitsschritte und Ergebnis. „Wir wollen digitaler werden“ reicht als Aufgabenbeschreibung nicht. „Eine vollständige Website-Anfrage soll der zuständigen Person als Aufgabe vorliegen“ lässt sich dagegen konkret prüfen.

Ein geeigneter Kandidat hat einen erkennbaren Anfang und ein erkennbares Ende. Die Regeln sollten weitgehend bekannt sein, und das Team muss erklären können, welche Ausnahmen vorkommen. Wenn bei jedem Vorgang erst verhandelt wird, was überhaupt passieren soll, braucht es zunächst eine Prozessklärung statt zusätzlicher Technik.

Beziehen Sie die Menschen ein, die den Ablauf tatsächlich ausführen. Eine Aufgabenliste der Geschäftsführung zeigt nicht immer, welche Rückfragen, Zwischenablagen und Abstimmungen im Alltag notwendig sind. Schon diese Bestandsaufnahme kann ergeben, dass ein unnötiger Schritt entfällt, ohne dass dafür neue Software gebaut werden muss.

Drei Planungsbeispiele für den Unternehmensalltag

Die folgenden Beispiele sind typische Planungsszenarien, keine zusätzlich behaupteten Kundenprojekte. Sie zeigen bewusst kleine Ausschnitte eines Ablaufs. Ob sie mit Ihren Werkzeugen umsetzbar sind, hängt unter anderem von verfügbaren Schnittstellen, Berechtigungen und Datenqualität ab.

Mögliche Einstiege und ihre Kontrollpunkte
AblaufAutomatisierbarer SchrittKontrolle
Website-AnfrageAngaben prüfen und einer zuständigen Person zuordnenUnvollständige oder unklare Anliegen bleiben zur Prüfung offen.
DokumentfreigabeEine Freigabe anfordern und den Bearbeitungsstand anzeigenDie Entscheidung selbst trifft die berechtigte Person.
AufgabenübergabeNach Abschluss eines Schrittes die Folgeaufgabe anlegenDoppelte Ereignisse dürfen keine doppelten Aufgaben erzeugen.

Braucht der Ablauf überhaupt künstliche Intelligenz?

Für eindeutige Regeln genügt häufig eine klassische Automatisierung. Ein Pflichtfeld prüfen, eine Aufgabe zuordnen oder einen freigegebenen Datensatz übertragen braucht nicht automatisch ein Sprachmodell. Solche Schritte sollten nachvollziehbar bleiben und bei denselben Voraussetzungen verlässlich das erwartete Ergebnis liefern.

KI kann ein zusätzlicher Baustein sein, wenn unstrukturierte Texte eingeordnet oder Antwortentwürfe vorbereitet werden sollen. Dann gehört die mögliche Unsicherheit zum Konzept: Welche Fälle dürfen automatisch weiterlaufen? Wann muss jemand prüfen? Eine plausibel klingende Antwort ist noch kein verifiziertes Ergebnis und sollte keine unkontrollierten Folgeschritte auslösen.

Unani Technology trennt deshalb die Auswahl des Werkzeugs von der eigentlichen Aufgabe. Der erste Schritt ist die fachliche Beschreibung. Danach wird geprüft, ob ein vorhandenes Standardwerkzeug, eine Verbindung zwischen Systemen oder eine individuelle Entwicklung den Bedarf angemessen abdeckt.

Den Nutzen mit eigenen Ausgangswerten einschätzen

Messen Sie zunächst einige vergleichbare Vorgänge im heutigen Ablauf. Trennen Sie aktive Bearbeitungszeit von bloßer Wartezeit. Wenn eine Anfrage einen Tag liegen bleibt, bedeutet das nicht, dass jemand einen ganzen Tag daran arbeitet. Beide Werte können wichtig sein, beantworten aber unterschiedliche Fragen.

Ein ausdrücklich fiktives Rechenbeispiel: 30 Vorgänge pro Woche mit jeweils 4 Minuten manueller Übertragung ergeben 120 Minuten Übertragungsarbeit. Bleiben im Pilot je Vorgang 1 Minute Prüfung und zusätzlich 30 Minuten wöchentliche Betreuung, liegen diese beiden Restaufwände zusammen bei 60 Minuten. Die Differenz von 60 Minuten ist in diesem Beispiel ein Planwert, keine zugesicherte Einsparung.

Einmalige Einrichtung, Testaufwand, Schulung und laufende Werkzeugkosten kommen getrennt hinzu. Berücksichtigen Sie ebenso Korrekturen, falls die Eingabedaten nicht zuverlässig sind. Für die Entscheidung zählt der gesamte Ablauf – nicht nur die Zeit, die ein einzelner automatisch ausgeführter Schritt benötigt.

Fehlerfälle gehören in die Planung, nicht erst in den Betrieb

Beschreiben Sie, was bei fehlenden Angaben, abgelaufenen Zugängen und nicht erreichbaren Diensten passiert. Manche vorübergehenden Fehler erlauben begrenzte Wiederholungen. Andere Fälle müssen stoppen und an einen Menschen gehen. Wiederholungen dürfen zum Beispiel nicht dieselbe Aufgabe oder dieselbe Nachricht mehrfach erzeugen.

In der Power-Automate-Dokumentation beschreibt Microsoft dafür eigene Fehlerpfade, Wiederholungsregeln und Benachrichtigungen. Diese Quelle belegt ein konkretes Werkzeugbeispiel; die allgemeine Anforderung lautet, dass ein Fehler sichtbar und bearbeitbar bleiben muss. Ein grüner Status ohne tatsächlich erledigten Vorgang wäre kein verlässlicher Betriebsnachweis.

Bestimmen Sie eine verantwortliche Person und einen Ersatzweg. Kann das Team einen offenen Vorgang manuell erledigen? Ist erkennbar, welcher Teil bereits ausgeführt wurde? Werden bei der Fehlersuche nur die nötigen Informationen sichtbar? Diese Fragen sind auch bei einem kleinen Pilot wichtig.

Einen begrenzten Automatisierungs-Pilot vereinbaren

Legen Sie fest, welcher eine Ablauf untersucht wird und was ausdrücklich außerhalb des Pilot liegt. Vereinbaren Sie Eingaben, Testfälle, notwendige Zugänge, Zuständigkeiten und Abnahmekriterien. Verwenden Sie nach Möglichkeit geeignete Testdaten, bevor echte Geschäftsvorgänge betroffen sind. Personenbezogene Inhalte und fachliche Freigaben benötigen eine gesonderte Prüfung.

Am Ende wird nicht nur eine Demo gezeigt. Das Team sollte nachvollziehen können, was funktioniert hat, welche Ausnahmefälle offen sind und welche Betreuung im Alltag nötig wird. Erst mit dieser Grundlage fällt die Entscheidung über Ausbau, Anpassung oder Beendigung. Auch ein begründetes Nein zu weiterer Automatisierung kann ein nützliches Ergebnis sein.

Zum Mitnehmen

Prüfliste für Ihren ersten automatisierten Ablauf

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0 von 8 Punkten geklärt

Bereits geklärte Punkte

Die Liste ist eine Planungshilfe, keine automatische Projektfreigabe oder vollständige fachliche Prüfung.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Digitalisierung und Automatisierung?

Bei der Digitalisierung liegen Informationen oder Arbeitsschritte digital vor. Automatisierung bedeutet, dass festgelegte Schritte ohne jedes Mal erneute manuelle Ausführung ablaufen. Ein digital gespeichertes Formular kann also weiterhin vollständig von Hand bearbeitet werden. Erst eine geprüfte automatische Weiterverarbeitung verändert diesen Teil des Prozesses.

Lassen sich bestehende Programme weiterverwenden?

Häufig lohnt sich zuerst diese Prüfung. Entscheidend sind die tatsächlich verfügbaren Schnittstellen, Exportmöglichkeiten, Berechtigungen und Lizenzbedingungen. Eine Verbindung darf nicht vorausgesetzt werden, nur weil zwei Programme bekannt sind. Wenn keine geeignete Anbindung vorhanden ist, werden ein anderer Ablauf oder eine bewusst begrenzte Erweiterung geprüft.

Welche Prozesse sollte man nicht als Erstes automatisieren?

Unklare, seltene oder häufig wechselnde Abläufe sind meist ungünstige Startpunkte. Gleiches gilt für Entscheidungen mit hohen Folgen, wenn Verantwortlichkeiten und Kontrollen fehlen. Beschreiben und vereinfachen Sie den Prozess zunächst. Ein kleiner, überprüfbarer Einstieg ist leichter zu beurteilen als ein Vorhaben, das sofort mehrere Abteilungen vollständig verändert.

Ihr nächster Schritt

Wenn Sie Prozesse automatisieren möchten, beginnen Sie mit einer gut beschriebenen Aufgabe und einer ehrlichen Ausgangsmessung. Die Prüfliste hilft, daraus einen begrenzten Pilot zu machen, dessen Ergebnis Ihr Team nachvollziehen und im Alltag kontrollieren kann.

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